John Ajvide Lindqvist: So ruhet in Frieden
Auch wenn mich der Fantasy-Filmfest-Hit „Let The Right One In“ nicht uneingeschränkt entzückt hat, so hat mich die Story immerhin neugierig auf den Autor der Romanvorlage gemacht. Dem FFF sei dank, denn sonst hätte ich John Ajvide Lindqvists 2005 in Schweden erschienenen und jetzt auf in deutscher Übersetzung vorliegenden Roman „So ruhet in Frieden“ vermutlich nie gelesen. Der Bastei-Verlag vermarktet das Buch in Optik und Beschreibung hilflos als Schweden-Krimi bzw. „Thriller“, obwohl bereits innerhalb der ersten 50 Seiten klar wird, dass man es hier mit einer weitaus bedrohlicheren und schwerer goutierbaren Geschichte zu tun hat.
Lindqvists Buch ist ein Zombie-Roman, der allerdings Filmen wie dem französischen Les Revenants vom Fantasy Filmfest 2005 näher steht als Romero oder Resident Evil, selbst wenn ironische Verweise auf letztere bemüht werden. Die regionale und zeitliche Begrenzung der Rückkehr der Untoten (nur in Stockholm und nur Tote, die in den vergangenen zwei Monaten gestorben sind, erwachen wieder zum Leben) verhindern ein allzu ausuferndes apokalyptisches Szenario. Stattdessen bleibt genügend Raum für die Frage, wie die Hinterbliebenen damit umgehen, wenn die betrauerten Toten plötzlich wieder leben - allerdings körperlich, geistig und emotional extrem eingeschränkt. Dabei stehen drei Fälle im Vordergrund, wobei in einem Fall der Untote schnell keine Rolle mehr spielt und eher die generelle Bedeutung der Ereignisse für dessen Hinterbliebene (Enkelin und Ehefrau) ins Zentrum des Interesses rücken. Dabei werden auf 450 Seiten en passant Fragen nach dem Umgang mit Verlust und Trauer, nach Schuldgefühlen von Eltern und Kindern, nach Religion und Rationalität, nach Sterblichkeit, Seele und Leben nach dem Tod behandelt, und das alles bei - weitgehend - durchgehaltener Spannung, in grandios düsterer Atmosphäre und mit bisweilen zünftigen Effekten. Keine Sorge also, der Roman ist kein intellektueller Diskurs, sondern macht Spaß und unterhält, bei entsprechender Affinität zum Genre, großartig.
Eher als Henning Mankell und Konsorten drängt sich also der Vergleich zu Stephen King auf. Lindqvist hält diesem Vergleich mühelos stand, da er ein intellektuell größeres Kaliber darstellt, auf Fäkalhumor verzichtet und nicht im letzten Drittel seines Buches die Lust am eigenen Roman verliert und ein hanebüchenes Ende zusammenschustert (ich sage nur „Es“). Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Roman aus dem Horror-Genre noch mal so packt, wie dieses Buch. Eine glatte Empfehlung also!
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Sonntag, 12. Oktober 2008
Samstag, 13. September 2008
Tristesse Royale (Extended Remix)
Let The Right One In - Fantasy Filmfest 2008 (3/5)
Eins vorne weg. Schlecht ist „Let The Right One In“ keinesfalls. Es sind einige Dinge die für den Film um den Außenseiter Oskar und seine Vampirfreundin Eli einnehmen.
Allen voran ist da die über knapp zwei Stunden durchgehaltene stimmige, düster-verwaschene Plattenbautristesse im skandinavischen Winter. Wer ein Faible für Farben und Formen der Spät-Siebziger und frühern 80er hat, kommt hier visuell voll auf seine Kosten. Ein zweites großes Plus sind die beiden jugendlichen Hauptdarsteller, denen es zu verdanken ist, dass man das Interesse an der Geschichte nie ganz verliert. Auch die skurrilen Nebenfiguren vom überforderten Lehrer Avila bis zu den stets mehr oder weniger angetrunkenen Nachbarn Jocke, Lacke und wie sie alle heißen sorgen für den nötigen Comic Relief in der ansonsten bedrückenden Atmosphäre. Und schließlich fand ich auch den Soundtrack des Films sehr geschmackvoll, auch wenn es mir, anders als z. B. Schöngeist-Rezensent George Kaplan der Song „A Flash In The Night“ der Band Secret Service angetan hat, den ich bestimmt schon so lange nicht mehr gehört hatte, wie meine in den 80ern selbst aufgenommenen Audiokassetten im Keller in einer Bananenkiste vor sich hin gammeln.
Nur: acht, neun oder gar zehn von zehn? Liebe Leute, wir wollen doch die Kirche mal im Dorf lassen! 115 Minuten sind schon eine lange Zeit für so ein bisschen Geschichte. Von Mitschülern geschundene und Eltern missverstandene Teenager gab es ja nun schon zur Genüge in Filmen, und das Hauptproblem von Let The Right One In besteht für mich daher auch darin, dass der Film in seinem Verlauf immer weniger weiß, wohin er mit seiner Außenseiter-Geschichte will. Die zarte Annäherung von Oskar und Eli passt weder zu den Momenten, in denen man sich in einem dieser skandinavischen Skurrile-Typen-Film wiederfindet, noch zum Splatter-Finale in der Schwimmhalle. Dazu kommt das Problem, dass alle Figuren außer Oskar nur angerissen werden. Natürlich muss man die Frage, wie Eli zur Vampirin wurde und ob Hakan tatsächlich ihr Vater ist, nicht beantworten. Hätte man aber zu Gunsten von etwas mehr Substanz in der Geschichte schon machen können.
Vor der Schwimmhallenszene ertappte ich mich dabei zu denken, „Wie, noch immer nicht fertig?“. Und das spricht entweder gegen meine Geduld oder gegen einen Film, der einige eindrucksvolle Bilder bietet und ein paar Szenen, die im Gedächtnis bleiben, der aber insgesamt unausgegoren und zu lang ist.
Eins vorne weg. Schlecht ist „Let The Right One In“ keinesfalls. Es sind einige Dinge die für den Film um den Außenseiter Oskar und seine Vampirfreundin Eli einnehmen.
Allen voran ist da die über knapp zwei Stunden durchgehaltene stimmige, düster-verwaschene Plattenbautristesse im skandinavischen Winter. Wer ein Faible für Farben und Formen der Spät-Siebziger und frühern 80er hat, kommt hier visuell voll auf seine Kosten. Ein zweites großes Plus sind die beiden jugendlichen Hauptdarsteller, denen es zu verdanken ist, dass man das Interesse an der Geschichte nie ganz verliert. Auch die skurrilen Nebenfiguren vom überforderten Lehrer Avila bis zu den stets mehr oder weniger angetrunkenen Nachbarn Jocke, Lacke und wie sie alle heißen sorgen für den nötigen Comic Relief in der ansonsten bedrückenden Atmosphäre. Und schließlich fand ich auch den Soundtrack des Films sehr geschmackvoll, auch wenn es mir, anders als z. B. Schöngeist-Rezensent George Kaplan der Song „A Flash In The Night“ der Band Secret Service angetan hat, den ich bestimmt schon so lange nicht mehr gehört hatte, wie meine in den 80ern selbst aufgenommenen Audiokassetten im Keller in einer Bananenkiste vor sich hin gammeln.
Nur: acht, neun oder gar zehn von zehn? Liebe Leute, wir wollen doch die Kirche mal im Dorf lassen! 115 Minuten sind schon eine lange Zeit für so ein bisschen Geschichte. Von Mitschülern geschundene und Eltern missverstandene Teenager gab es ja nun schon zur Genüge in Filmen, und das Hauptproblem von Let The Right One In besteht für mich daher auch darin, dass der Film in seinem Verlauf immer weniger weiß, wohin er mit seiner Außenseiter-Geschichte will. Die zarte Annäherung von Oskar und Eli passt weder zu den Momenten, in denen man sich in einem dieser skandinavischen Skurrile-Typen-Film wiederfindet, noch zum Splatter-Finale in der Schwimmhalle. Dazu kommt das Problem, dass alle Figuren außer Oskar nur angerissen werden. Natürlich muss man die Frage, wie Eli zur Vampirin wurde und ob Hakan tatsächlich ihr Vater ist, nicht beantworten. Hätte man aber zu Gunsten von etwas mehr Substanz in der Geschichte schon machen können.
Vor der Schwimmhallenszene ertappte ich mich dabei zu denken, „Wie, noch immer nicht fertig?“. Und das spricht entweder gegen meine Geduld oder gegen einen Film, der einige eindrucksvolle Bilder bietet und ein paar Szenen, die im Gedächtnis bleiben, der aber insgesamt unausgegoren und zu lang ist.
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