Montag, 15. Januar 2018

Lieblinge 2017 - Track by Track

Wie autobiographisch sind eigentlich diese Jahrescharts? Nun, einerseits natürlich sehr, denn jedes der Lieder, das ich auf CD gebannt habe (Pst, Kids, CDs, das sind die silbernen Scheiben, die eure Eltern in so komische, große Geräte legen, um Musik zu hören), hat im Jahr 2017 eine Rolle für mich gespielt, aber andererseits eben oft nicht so vordergründig, wie der Song vielleicht nahelegt. “Angst Angst Overkill” bedeutet nicht, dass ich demnächst mit einer Apokalypse rechne, oder Benjamin Biolays “Roma”, dass ich plötzlich geschmacklich einen an der Waffel habe. Es gibt für alles Gründe, und im Folgenden werden sie erklärt.

01 Maurice & die Familie Summen feat. Kryptik Joe: Zeit zurück
Und gleich mal eine Nummer direkt aus meinem Leben: das ist die Welt des Mittvierzigers, der zurück in die gute alte Zeit seiner Jugend will, die neutral betrachtet aber vielleicht doch gar nicht so gut war; der leicht melancholische Blick auf die eigene Vergänglichkeit, aber nicht als betroffener Indie-Folksong, sondern als superfunkige Hüftschwing- und Arschwackelnummer von Die-Türen-Sänger Maurice Summen zusammen mit größerer Band und dem einem Herren, dem man von Deichkind kennt. Ein großer Spaß.

02 Future Islands: Ran
Der große Hype scheint vorbei zu sein, denn Future Islands erhielten 2017 vielerorts nur noch lauwarme Reviews für ihr neues Album. Hauptvorwurf: klingt wie das letzte. Ah ja. Stört mich nicht. Gerade in „Ran“ kommt die Könnerschaft dieser Band einmal mehr auf das Schönste zum Vorschein: der sehnsuchtsvolle, flächige Elektrosound und darüber der stets über den Punkt melodramatische und exaltierte Gesang Sam Herrings. Trifft bei mir auch in der Wiederholung wieder mitten ins Herz.

03 J. Bernardt: Wicked Streets
Zweites Jahr der Balthazar-Pause, erster Solo-Output von Sänger Nummer zwei. Nicht nur live war J. Bernardt mit dieser Nummer auf dem Maifeld-Derby ein absoluter Höhepunkt, auch das Video und der reine Song haben mich das ganze Jahr über begleitet. Auch hier wieder eine Nummer zum Hüfteschwingen, betont lässig gesungen und mit schwebenden Synthie-Violinen, die wiederholt von einem Bläserbums unterbrochen werden, der für mich den eigentlichen Suchtfaktor des Stückes darstellt. So großartig, dass es der an sich auch sehr gute Song „Mad World“ des anderen Balthazar-Sängers nicht auf diese Zusammenstallung schaffte (Das wäre mit Spotify nicht passiert, und genau deshalb bleibe ich bei der CD, Kids!).

04 Andreas Dorau: Ossi mit Schwan
Man muss ihn einfach ehren und preisen, wo man kann, den Herrn Dorau. Einmal mehr bleibt der Mann sich treu und singt kein Liebeslied, sondern vertont eine Meldung aus dem „Aus aller Welt“-Teil eurer örtlichen Tageszeitung. Gewalt gegen Ossis und Schwäne, musikalisch lieblich und poppig verpackt. Musik mit dem Humor, der der schwerstseriösen aktuellen deutschsprachigen Popmusik ansonsten leider größtenteils fehlt. Ich musste beim Hören gerade schon wieder lachen. Und für die Verwendung des vom Aussterben bedrohten Wortes „Grobian“ danke ich Andreas Dorau auch.

05 Kreidler: Boots
Okay, ich gebe zu, ich habe so meine Schwierigkeiten damit, ein Instrumentalalbum mit elektronischer Musik als Ausdruck von Protest zu begreifen. Kreidler sehen ihr 2017-Album „European Song“ allerdings so, und wer bin ich, den Künstlern zu widersprechen? Dann eben Protest. Ich habe mich allerdings vor allem darüber gefreut, dass es ein neues Album gab, dass es zudem das beste Cover aller Kreidler-Alben hat und dass mit „Boots“ eine kickende, hübsch aggressive Nummer dabei ist, die sich in die Reihe meiner anderen Lieblingstracks der Band von „Kremlin Rules“ bis „Alphabet“ nahtlos einreiht.



06 Romano: Raupe
Der blond bezopfte Rapper aus Köpenick schaffte es in diesem Jahr nicht nur, mich zum zweiten Mal live komplett für sich einzunehmen, mit „Raupe“ hat er auch einen Song auf seinem neuen Album, der sich von den anderen eher auf Party abzielenden Nummern abhebt. Textlich zwischen Jacques Palminger und dem Fantasy Filmfest angesiedelt, wabert der Song auch musikalisch recht unangenehm daher und wird gerade dadurch interessant.



07 Tristesse Contemporaine: Dem Roc
Nachdem der Plattenhändler meines Vertrauens das neue Album meiner Dauerlieblinge Tristesse Contemporaine monatelang nicht liefern konnte, habe ich es erst mit erheblicher Verzögerung im Laufe des Jahres wahrgenommen. Insofern würdige ich es auch auf der Lieblinge-CD, auch wenn ein Song bereits die 2016er-Version zierte. „Dem Roc“ unterschreitet lässig die Drei-Minuten-Marke. Der Song hat es eilig. Drängend, leicht hektisch und monoton zugleich, vor allem tanzbar und den Adrenalinpegel erhöhend – wie geht so was? Keine Ahnung, aber dieses Trio schafft es einmal mehr seine unterschiedlichen musikalischen Hintergründe gekonnt im Dienst eines außergewöhnlichen Songs zu stellen. Und ich verweise auch noch mal den wunderbaren Text: „Dem roc, and we rock, they never gonna rock what we got, what we got is sweeter, yeah we turn the heat up“. Eben.

08 Benjamin Biolay: Roma
Midlife Crises? Zu lange in der Sonne gesessen? Egal. Benjamin Biolay folge ich in jeden Irrsinn. In den letzten beiden Jahren hat der Retter des französischen Chansons gleich zwei Alben (wie üblich mit viel zu vielen Lieder) veröffentlicht, auf denen er spanischer bzw. südamerikanischer Musik huldigt. Wobei er vor nichts zurückschreckt. Schwülstiger Kitsch, Zigeunerromantik, Rondo-Veneziano-Geigen und spanischsprachige Gastrapper. Im Video setzt er dem Ganzen noch eins drauf. Herrlich. Einer meiner beiden Lieblingsongs des diesjährigen Frankreichurlaubs, wo musikalisch alles erlaubt ist, solange es sommerliche Gefühle beschwört. P.S.: ganz Mutigen empfehle ich nach dem Genuss dieses Liedes mal „La noche ya no existe“. Da legt Biolay noch 'ne Schippe drauf.

09 White Wine: Killer Brilliance
Womit wir beim musikalischen Höhepunkt des Jahres wären. Die veritabel durchgeknallten (siehe Video) White Wine, die ich live seit Oktober 2016 mehrfach versäumt habe, deren Songoutput ich mir aber nach und nach erschlossen habe. Gitarre, Fagott und Glockenspiel in einem Indierock-Song, der intelligent komponiert, aber nicht zu verkopft daherkommt. Dazu ein Gesang mit hohem Wiedererkennungswert und eine Dramatik, die auch bei mehrfachem Hören keine Langeweile aufkommen lässt. Müsste ich wählen, das wäre mein Song des Jahres und White Wine meine Lieblingsband.

10 Peter von Poehl: Inertia
Ein Mann, den ich gar nicht auf dem Zettel hatte. Woher auch? Peter von Poehl ist ein Schwede, der vor ein paar Jahren wohl mal einen Minihit hatte und der jetzt in Frankreich lebt, wo er seine Musik aufnimmt und auch auftritt. Welch ein Glück, dass einer dieser Auftritte im Mai in Toulouse stattfand und ich im Rahmen eines Austausches mit zahlreichen entfesselten Siebtklässlern dort war. Nicht nur das Konzert war herausragend, auch auf dem aktuellen Album von Poehls finden sich einige exquisite Stücke, so wie dieser schöne und elegante Song, dem man allenfalls vorwerfen kann, dass er fast ein wenig zu perfekt klingt. Kitsch ist keine Kategorie hier.

11 Julien Doré: Coco Caline
Franzose Nummer zwei auf diesen Jahrescharts ist auch ein alter Bekannter. Julien Doré gelang mit Coco Caline und dem dazugehörigen Album in seinem Heimatland wohl endlich der verdiente Durchbruch. Konzerte in großen Hallen und ein omnipräsenter Song, den man auf dem Weg zum Strand von La Grande Motte aus so manchem Handy quäken hören konnte. Dass Doré seine Kernkompetenz Selbstironie für den Erfolg nicht aufgeben musste, freut mich doppelt. Das minimalistische Video zu Coco Caline erfreute die ganze Familie König im Urlaub mehrfach.

P.S.: ein wahres Kunstwerk an Kurzfilm ist „Sublime et Silence“, das der geneigte Betrachter sich unbedingt auch anschauen sollte:

12 Friends of Gas: Graue Luft
Ach Mist, jetzt habe ich mich mit der Lieblingsband ja schon auf White Wine festgelegt. Dabei sind doch eigentlich Friends of Gas meine Band des Jahres. Diese absolut furchtlosen, schönen, jungen Menschen versprühen so viel jugendliche Aggression, musikalisch wie textlich, dass ich mich frage, warum ich eigentlich so auf sie abfahre. Die Antwort findet sich vermutlich im ersten Song dieser dieser Zusammenstellung. Stichwort: "alte Zeit zurück, tick tack". Mich kickten die Friends of Gas im Jahr 2017 nicht nur live, sondern auch daheim, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Verarbeiten der letzten Gesamtkonferenz. Egal ob Album oder dieser Track, den man meines Wissens bisher nur im Internet findet, einfach großartige Musik voller Energie und mit wunderbar verstörenden Texten („Und als ich rausging war ich voller Käfer, als ich rausging war es anders, ...anders“).

13 Ruby: Paraffin (Red Snapper Mix)
Kurz mal durchatmen. Inspiriert vom allerallerbesten Konzert des Jahres im Oktober in London habe ich mein CD-Archiv nach den obskureren Red-Snapper-Tracks durchforstet und bin dabei auf diese wunderbare Nummer aus dem Jahre 1995 gestoßen. Auf einer Remix-Platte der längst vergessenen Triphop-Combo Ruby findet sich dieses Meisterwerk, das dem Original Referenz erweist, gleichzeitig aber, vor allem mit dem Double Bass, deutliche Red-Snapper-Elemente aufweist. Ein perfekter Remix, ein sehr hörbarer Song, der zudem zeigt, welches Potential dieses kurzlebige Genre eigentlich hatte. Mein schönstes Wiederhör-Erlebnis des Jahres.

14 Messer: Der Staub zwischen den Planeten
Messer hatte ich über Facebook in diesem Jahr ja auch schon mal lautstark zur besten Band des Jahres gekürt. Zum Glück nur zur besten deutschsprachigen, denn sonst würde ich ja langsam unglaubwürdig werden mit diesen ständigen Superlativen. Doch Anfang des Jahres war ich schon ziemlich im Messer-Fieber, was vor allem auch damit zu tun hatte, dass nach dem exzellente Konzert Ende 2016 in Wiesbaden ein nicht minder exzellentes im April 2017 in der Darmstädter Oettinger Villa folgte. Ein Dreivierteljahr später ist es vor allem dieser Song, den ich nach wie vor ungebrochen liebe. 

15 Nicolas Sturm: Angst Angst Overkill
Nicolas Sturm hat mich in diesem Jahr mit einigen Songs beeindruckt. Das klare politische Statement in „Im Land der Frühaufsteher“ verdient Respekt, „Lichtjahre“ ist ein wunderbar melancholisches Lied über die Sehnsucht danach, etwas zu erleben – und beide Songs hätten hier ebenso vertreten sein können. Meine Entscheidung fiel aber auf das Titelstück, da sich dieses anfühlt, als wäre es aus meiner Jugend: „Das Neonlicht malt Risse in dein Gesicht; was du hast gefällt dir nicht, und was du willst, bekommst du nicht“. Ja, so hat sich das angefühlt in den späten 80ern in der badischen Provinzmetropole. Woher weiß Nicolas Sturm das? Und wie gelingt es ihm, diesen Geist nicht nur textlich, sondern auch musikalisch in seinem Song zu transportieren? Wer deutschsprachige Indiemusik schätzt und es musikalisch durchdacht mag, sollte sich das Album mit diesem Song mal anhören. Wächst mit jedem Hören, so dass Nicolas Sturm für mich eine er größten musikalischen Entdeckungen des Jahres ist.

16 Intergalactic Lovers: River
Ich würde es ihnen ja gönnen, wenn sie mit Album Nummer drei endlich den großen Durchbruch schaffen würden, die Intergalactic Lovers. Denn ich mag sowohl die Band als auch ihre Musik. Denn das ist zwar Popmusik, aber die Art von Pop, der nicht am Reißbrett entsteht, sondern Substanz hat, gereift ist und auch bei mehrfachem Hören nicht langweilig wird, sondern im Gegenteil wächst. Weil man noch eine Nuance entdeckt, weil der Gesang auch bei hundertsten Mal noch schön ist, weil die Mischung aus Leichtigkeit und Dramatik genau passt. Und wenn man ins ZDF-Morgenmagazin gehen muss, um einer größeren Anzahl von Leuten diese Qualitäten klar zu machen (weil die Musik für's Formatradio eben immer noch zu sperrig ist), dann bitte sehr. Wenn es dazu dient, dass in Wiesbaden 150 Leute zum Konzert kommen statt wie vor ein paar Jahren nur 10, kann ich das nicht schlecht finden.

17 Die Sonne: Alles muss wachsen
So, genug entspannt. Kehren wir zurück zu den eher unangenehmen Texten. Gegen Ende des Jahres kam ich in den Genuss des zweiten Albums von Die Sonne. Auch hier hätte ich wieder diverse Titel auswählen können. Denn diese Platte ist fantastisch. Für den geneigten Zuhörer zumindest. Oliver Mincks Texte sind abgründiger denn je, düstere Wahrheiten zu allen möglichen Themen. Die düsterste hier. Der Song für alle, die Christian Lindners FDP gewählt haben und den Klimawandel für eine Erfindung der Grünen halten. Für alle, die den Schwachsinn glauben, dass man alles erreichen kann, wenn man nur will. Für alle, die immer noch einem rücksichtslosen Individualismus anhängen und glauben, dass sie so glücklich werden können. Für euch gilt: "macht euch jetzt endlich mal Sorgen".
Für den Text hier eine Liverversion von 2014. Klingt drei Jahre später leicht umarrangiert musikalisch wesentlich besser.

18 Family 5: Stolpere nicht
Und wenn ich mich jetzt schon so weit geöffnet habe, kann ich auch noch den guten, alten Peter Hein nachschieben. Manifest und Mantra in einem. Für die Guten da draußen: wenn ihr zweifelt, hört dieses Lied. Ihr macht alles richtig. Bussi - und bis nächstes Jahr



Samstag, 7. Januar 2017

Die Alben des Jahres 2016

Hmm. Eigentlich müsste es eher heißen: die Alben, die von den 2016 erschienen meine liebsten sind. Denn weder handelt es sich hier um die objektiv besten, relevantesten oder angesagtesten Alben - dafür hätte ich viel mehr auf die Musikpresse hören sollen und in all die relevanten und angesagten Alben des Jahres überhaupt erst einmal reinhören müssen. Noch handelt es sich unbedingt um die Alben, die ich am häufigsten gehört habe. Denn es ist ja nicht so, dass mit der Jahreswende alle Tonträger, die vor 2016 erschienen sind, plötzlich in den Keller gepackt worden und dem süßen Vergessen anheim gefallen wären.
Und, ja, ich höre Musik auch weiterhin vom Tonträger. Ich liebe es eine Schallplatte aufzulegen und nach Ende der ersten Seite umzudrehen, den Staub aus den Rillen zu pusten, ein schönes Cover länger zu betrachten. Und auch für das allgemein gedisste Medium CD möchte ich hier mal eine Lanze brechen. Denn auch diese kann man bewusst einlegen und auch bei ihr kann man sich oft genug an einer schönen Verpackung oder einem liebevoll gemachten Booklet erfreuen. Wenn man so Musik hört, ergibt auch das seit Jahren totgesagte, aber nach wie vor nicht tot zu kriegenden Konzept des Albums wieder Sinn. "Everbody wants to be the DJ", sangen Soulwax schon im Jahre 1998 in ihrem Song "Too Many DJs". Mit Spotify und co. ist inzwischen wirklich jeder sein eigener DJ. Das ist toll, es ist aber eine andere Art, Musik zu hören. Denn mit einem Album sagen mir Künstler, Künstlerin oder Band, welche Reihenfolge, Dramatik oder welchen Spannungsaufbau sie sich vorgestellt haben. Und daher hier, um auch weiterhin ganz retro zu bleiben, meine TOP 10 dieser Art aus dem Jahr 2016:

1. Francis: Marathon
Das hatte sich nach den ersten Songs Ende 2015 angedeutet, dass hier ein großes, schönes Popalbum für Erwachsene ins Haus steht. Lange gereifte Songs, sorgfältig arrangiert, und dass Sängerin Petra eine tolle Stimme hat, wusste ich ja schon vorher. Sehr häufig gehört und in neun Monaten nichts von seiner Magie verloren.




2. Oum Shatt: Oum Shatt
Völlig unvorbereitet und unvoreingenommen über ein Konzert auf dem Mannheimer Elektrik Pony Cup entdeckt. Meine ersten Eindrücke damals: 
"Oum Shatt spielen eine Musik, die frisch klingt. Erfreulich unrockig, dafür tanzbar, entspannt und doch auf den Punkt. Präzise Rhythmik mischt sich mit Ricky-King-Gitarre aus den Siebzigern und wird durch feine Elektronik und grundierenden Bass abgerundet. Ja, da ist schon etwas Arabisches, wie man in allen Rezensionen lesen kann, aber eben so, wie diese Musik in den 60ern und 70ern von Europäern und Amerikanern absorbiert und in eigenen Songs verarbeitet wurde. Und da ist dieser Gesang und die Melodielinien, die mich irgendwann an Kissogram erinnern. Womit ich genau richtig liege, denn Oum Shatt ist das neue Bandprojekt von Kissograms Jonas Poppe. Wenn man‘s weiß, eine logische Weiterentwicklung."




3. Arpen: Arpen
Auch auf einem Konzert entdeckt, das für die Band aber wenig glücklich verlief. Desinteressierte Studenten und muffige Südhessen hatten überwiegend kein offenes Ohr für die feine Elektronik des Herrn Arpen. Ich ging interessiert nach Hause, hörte mich intensiver ein, bestellte das Album und bin seitdem hin und weg. Die richtige Balance zwischen klassischem Songwriting und experimenteller Elektronik, in jeder Hinsicht geschmackvoll umgesetzt.




4. Sorry Gilberto: Twisted Animals
Meine Sympathieträger des Jahres. Entdeckt an einem Sonntagnachmittag im Offenbacher Hafen 2. Hier meine nach dem Konzert verfasste Liebeserklärung:
"Sorry Gilberto bestehen aus zwei etwas in die Jahre gekommenen Hipsterberlinern (vermutlich mein Alter), hervorragend schluffig gekleidet und topfrisiert, die mit akustischer Gitarre, Ukulele, Melodica und Mini-Synthisizer ruhige Liedchen spielen. Kennen wir? Ja und nein. Denn was hier so harmlos daherkommt, hat es sowohl textlich als auch musikalisch in sich. Der musikalische Minimalismus ist gewollt und gekonnt. Hier spielt jemand nicht Ukulele, weil er nichts anderes kann, sondern weil es zum Song passt. Hier wird kein Hochleistungsgesang betrieben, sondern auf Englisch mit erkennbarem Akzent liedermacherartig vorgetragen. Kann man nämlich wunderbar machen, wenn man eine schöne Stimme hat. Und das haben beide, so dass Lieder, in denen Jakob und Anne im Wechsel singen, ein besonderer Genuss sind. Textlich werden Loblieder auf den grauen Himmel gesungen. Einmal explizit, aber auch sonst schwingt diese Stimmung oft mit. Miniaturen, Kurzgeschichten, stets etwas verschroben, aber mit Humor. Perfekt. „Anti-Folk“ sagt die Indiepedia. Meinetwegen, wenn Anti-Folk so klingt, ist das genau meine Musik. Denn das trifft so ziemlich alles, was ich mag, und passt so wunderbar zu diesem etwas verschlafenen, aber schönen, entspannten und gelassenen Sonntagnachmittag. Ja, ich bin frisch verliebt. So verliebt, dass ich dem Gefühl misstraue und keine Schallplatte kaufe. Dummheit, denn einige der Songs begleiten mich noch in den Folgetagen. Angefangen bei „Blockbuster“ über „Grey Sky“ und „Into the Woods“ zu „Masterpiece“ und „Chemical Romance“. Ein Kleinod jagt das nächste. Inzwischen wurden eine LP und ein älteres Album auf CD nachgekauft, eine Lücke wird hoffentlich an Weihnachten geschlossen. UPDATE 15 Minuten später: ich kann nicht bis Weihnachten warten und habe mir gerade mal die CD von „Construction Work & Stormy Weather“ gekauft, um die schmerzliche Lücke in der Diskographie zu schließen. Ach, und bevor ich es vergesse: mit „Yellow Sweater“ haben die beiden auch eines meiner Lieblingsvideos dieses Jahres geschaffen."

5. Pelzig: Medium Cool World
Und weil's so schön war, gleich noch ein Konzertbericht hinterher, denn Pelzig kenne ich zwar vom Namen her schon ewig, so richtig gehört habe ich sie aber zum ersten Mal auf dem Darmstädter Golden-Leaves-Festival.
"Der Knaller am frühen Nachmittag. Bei Wolkenhimmel, Tageslicht und auf der an sich viel zu kleinen zweiten Bühne zeigen die Bestager von Pelzig wie Energie und teilweise auch Aggression wirklich gehen. Man nehme Gitarren und Bass aus der Rock-Phase von Slut, lege ein paar Elektronikakzente drüber und mische das ganze schön breit ab, so dass ordentlich Sound entsteht. Dazu einen Sänger, der völlig anders klingt, als der von Slut: tiefer, männlicher, weniger Sänger, sondern mehr Erzähler, der auch mal in Sprechgesang verfällt (das Wort „rappen“ vermeide ich bewusst) und einen seltsam unauthentischen amerikanischen Akzent hat, der aber einen interessanten Fremd-Vertraut-Effekt erzielt. Großartig. Musik, die mich mitnimmt, die mich kickt, die Energie verströmt, die Anknüpfungspunkte bietet und doch eigenständig ist. Und Musik, die im Jahre 2016 zwischen Hochleistungsgeträller à la Adele und bewusster Innerlichkeit vollbärtiger DIY-Folk-Klampfer keinen Platz findet. Alle über 40 sind begeistert, die Eltern aus dem Martinsviertel aber retten ihre Kinder vor Gehörschäden und die gestressten Studenten-Hipster bleiben lieber mal auf der Picknickdecke sitzen. Entsprechend bin ich auch nach dem Konzert ein einsamer Plattenkäufer, der nur von einer wirklich hippen, kurzhaarigen Helferin am Stand damit getröstet wird, dass auch sie die Platte „gleich nach dem Konzert gekauft“ habe."




6. Polica: United Crushers
Bei Polica ist vor allem der Sound besonders. Zwei Schlagzeuge, die der Musik einen gewaltigen Bums verleihen, wenn sie synchron sind, und komplexe Beats kreieren, wenn sie das nicht sind. Dazu ein Bass und, zum Kontrast, eine recht sphärische Elektronik mit der ebensolchen Stimme der wunderbaren Channy Leaneagh. Und gute Musik entsteht einfach aus solchen Kontrasten. Da wird es nicht irgendwann langweilig, weil der Gesang zu elfenhaft ist. Oder eben weil es immer nur rumst. Clevere Songs, noch cleverer instrumentiert. 



7. Romano: Jenseits von Köpenick

Herrn Romano hatte ich ja lange Zeit so ein wenig als Spaßvogel abgetan, aber das stete Bewerben des Herrn durch einen geschmackssicheren Kollegen und Freund ließen mich erst auf Romanos Konzert ins Darmstadt gehen (ein Höhepunkt) und dann über die Show die Musik entdecken. Und die gefiel mir mit jedem Hören besser. Klar, es ist deutschsprachiger Hip Hop mit Augenzwinkern und vermutlich auch Vermarktungsplan. Dennoch ist Romano einfach authentisch und vor allem unglaublich sympathisch, und seine Texte sind witzig, aber nie doof oder prollig. Auch die Musik hat mir bei jedem Hören besser gefallen. Man merkt einfach, dass der Mann schon ein paar andere Genres durch hat und daher ohne Szeneschubladen auskommt. Alles in allem ein Gesamtkunstwerk, das für mich in diesem Jahr bestens funktioniert hat und meine Laune so manches Mal enorm heben konnte.




8. Messer: Jalousie
Auch hier erkläre ich mich am besten mal wieder selbst über Eindrücke von einem Konzert: 
"Krachige, ungestüme Rockmusik, bisweilen hysterisch und wütend, immer energiegeladen und mitreißend. Der Sound ist exquisit: die Gitarre quiekt, der Bass grundiert, den Drummer fand ich auch gut, und die Orgeltöne, die den Sound vor allem auf den neuen Stücken erweitern, sind live auch hervorragend. In einem Interview mit Sänger Hendrik, das ich nach dem Konzert las, fand ich bemerkenswert, dass er gerade froh ist, von seiner Musik nicht leben zu müssen. Denn, so das Argument, wenn er das müsste, müsste er Kompromisse eingehen und hätte Termindruck. So aber könne man ausprobieren, verwerfen, überdenken und am Ende etwas veröffentlichen, hinter dem man hundertprozentig stehe. Beeindruckender Standpunkt, der sich an diesem Abend auf der Bühne zeigt. Wenn man das abgedroschene Wort „authentisch“ mal bemühen möchte, hier trifft es zu. Das ist einfach ein authentischer Auftritt, voller Spielfreude und erkennbar mit Songs, die man mag und gerne spielt. Es ist der Funke, der Isolation Berlin fehlt – die, so Sänger Hendrik in erwähntem Interview, eben von der Musik leben wollen."
Und das folgende Video liebe ich ja auch, als alter Arthouse-Filmfan:




9. Warhaus: We Fucked a Flame Into Being
Balthazar machen Pause, aber an sich klingen Warhaus doch gar nicht so anders, oder? Abgesehen davon der offensivste Plattentitel des Jahres (außerhalb von Idioten-Genres wie Asso-Rap oder Death Metal)




10. Get Well Soon: Love
Und auch wenn ich die Alben dann irgendwie nie am Stück höre und immer mal denke, dass das ein oder andere Stück auch entbehrlich gewesen wäre - Konstantin Gropper ist mir einfach ans Herz gewachsen und macht so viel Dinge richtig, dass ihm weiter die Treue halte. Schon allein für dieses Video, mein Lieblingsmusikvideo des Jahres mit dem wunderbaren und unverwüstlichen Udo Kier:






Freitag, 6. Januar 2017

Das Filmjahr 2016

Lieblingsfilme:


Arrival
Ein Film, der auf allen Ebenen herausragend ist. Grandiose Regie, fantastische Hauptdarstellerin, spannende und intelligente Geschichte. Alien-Science-Fiction mit menschlicher Botschaft. Mein Film des Jahres.



Ich, Daniel Blake
Ken Loach meint es weiterhin ernst und hat einen Standpunkt. Britisches Working-Class-Kino der alten Schule, wie es sonst keiner beherrscht. Emotional, aber nie kitschig; politisch, aber nie abstrakt. Das Herz schlägt weiterhin links.



The Neon Demon
War bei Publikum und Kritik nicht gerade beliebt – ich fand ihn super. Viel Oberflächenfetisch mit Kritik an Oberflächlichkeiten und absurd blutigem Finale. Wie kann man das nicht geil finden?!



Vor der Morgenröte
Josef Hader spielt Stefan Zweig und beeindruckte mich sehr. Ein Film über die Ohnmacht eines Intellektuellen in politischen Krisenzeiten, und damit weit mehr als das übliche Biopic für Lesefaule.



The Witch
Paranoia und Okkultismus im wenig besiedelten Nordamerika des 17. Jahrhundert. Inklusive der Sprache der Zeit. Verstörend, visuell faszinierend und ziemlich spannend. Mein Horrorfilm des Jahres.



Wiener Dog
Etwas Angst hatte ich vor dem neuen Film des Gute-Laune-Vermiesers Todd Solondz. „Happiness“ halte ich nach wie vor für den schlimmsten Downer-Film aller Zeiten. In seinem Episodenfilm über Dackel geht es auch um menschliche Abgründe und Abartigkeiten, aber es überwog die Witzigkeit. Zumindest für hartgesottene Titanicleser.



Naher ferner Osten
Ein Tscheche reist in die Ukraine um den dortigen Konflikt besser zu verstehen – und hat so manche ernüchternde Begegnung. Grandioser Dokumentarfilm, dem es gelingt, beiden Seiten gerecht zu werden und dabei doch klar Position zu beziehen. Ein Film, der sein Publikum ernst nimmt und es selbst seine Schlüsse ziehen lässt. In Zeiten ideologisch aufgeplusterter Nachrichtenberichterstattung ein wohltuend unaufgeregter, sachlicher und um Fairness bemühter Zugang zu einem extrem schwierigen Thema. Gesehen auf dem Go-East-Filmfestival in Frankfurt.



Menschen am Sonntag
Ein besonderes Kinoerlebnis im Offenbacher Hafen 2: die isländischen Elektroniker Múm vertonen live den Stummfilmklassiker „Menschen am Sonntag“. Und der ist als solcher schon ein Meisterwerk – sozialer Realismus, Alltag (bzw. ein Sonntag) im Deutschland der 1930er, der zeigt, dass in diesem Land in dieser Zeit ganz normale Menschen mit ganz normalen Träumen, Wünschen und Hoffnungen gelebt haben und nicht nur Hitlers zukünftige Helfer, Opfer und Vollstrecker.




Auch gut:


Green Room
Unangenehmes, aber sehr spannendes und zunehmend gewalttätiges Action-Kammerspiel. Mit vielen Typen, denen man nicht im Dunkeln begegnen will.



The Lobster
Der schönste alternative Liebesfilm des Jahres, mit ein wenig dystopischer Gesellschaftskritik und viel absurdem Humor.



A Bigger Splash
Tilda Swinton als der Stimme beraubte Sängerin wird an ihrem italienischen Rückzugsort von Großmaul Ralph Fiennes be- bzw. heimgesucht. Es geht um Zwischenmenschliches. War ich wohl gerade in der Stimmung für, hätte mich an anderen Tagen vielleicht genervt.



Pelo Malo
Hartes Sozialdrama und ergreifende Initiationsgeschichte aus Venezuala. Ein Land, in dem man nicht unbedingt leben möchte.



Money Monster
Ich habe ein Herz für Filme mit einem klaren Standpunkt. Ja, von mir aus naiv und unrealistisch. Sympathisch altmodische Medien- und Bankenkritik mit zwei Stars von früher (George Clooney und Julia Roberts) unter der Regie eines Stars von früher (Jodie Foster). Spannend und mit Gesinnung.



Meine Brüder und Schwestern im Norden
Die Dame, die uns „Full Metal Village“ beschert hat, hat wieder einen Heimatfilm gedreht. Dieses Mal durfte sie in den isolierten Norden ihrer eigentlichen (oder anderen?) Heimat Korea reisen und dort einfach mal die Kamera draufhalten. Unter Aufsicht, versteht sich. Faszinierende Einblicke in eine bizarre Parallelwelt, geschickt eingefangen, da ohne offensive ideologische Botschaft. Auch hier traute man dem Zuschauer wohl zu, eigene Schlussfolgerungen ziehen zu können.



Nocturnal Animals
Nicht so sensationell wie man mancher Orten lesen kann, aber ein visuelles Prachtstück mit Amy Adams und Michael Shannon, also meiner Schauspielerin und meinem Schauspieler des Jahres. Da kann man schon mal darüber hinwegsehen, dass man diese Art Plot an sich alle Jahre wieder auf dem Fantasy Filmfest sehen kann.



DVD-Entdeckungen:


99 Homes
Michael Shannon und Andrew Garfield in einem sehr spannenden Film über... äh... Zwangsräumungen. Engagiert und energiegeladen, so als würde Ken Loach einen Thriller drehen. Und Michael Shannon tritt den Beweis an, dass man auch skrupellose Finanzhaie als gebrochene Charaktere spielen kann.



Bruchreif – The Maiden Heist
Ja, okay, es sind harte Zeiten. Da hat man sich doch auch mal etwas Entspannung verdient, oder? Hier ist meine Empfehlung: Morgan Freeman, Christopher Walken und William H. Macy als ungeschickte Kunsträuber. Herzerwärmende, leichte Unterhaltung mit drei glänzend aufgelegten Stars alter Schule. Erhältlich an jedem unsortierten Grabbeltisch. Oder bei einem eurer Streaming-Dienste.



The Invitation
Paranoia-Thriller, der mir auf dem letzten Fantasy Filmfest durch die Lappen gegangen ist. Sehr stylish, mit Gespür für Spannungsaufbau und Timing. Sollte man für den vollen Effekt aber unbedingt in einem abgedunkelten Raum sehen.




Fantasy Filmfest Top 5:

Jetzt mache ich es mir selbst mal schwer. Denn der Jahrgang 2016 war für mich ein ziemlich ergiebiger. Das sieht man schon daran, dass sich mit The Witch, Green Room und The Lobster drei Filme in die obigen Listen gemogelt haben, die ich eigentlich ursprünglich auf den Fantasy Filmfest Nights gesehen hatte. Die wahren tollen Tage sind aber natürlich die elf im Sommer, und von den 39 Filmen, die ich da gesehen habe, erkläre ich die folgenden fünf zu meinen Favoriten:

My Big Night
Gleich mal der am wenigsten ins Festival passende Film zu Beginn. Alex de la Iglesias überdrehte Mediensatire ist der erste Film des Herrn, der mir nicht im letzten Drittel begann auf den Zeiger zu gehen. Einfach weil der leicht bis schwer hysterische Humor, der seine Filme meist prägt, hier passte und zudem durch gelungene Musicalnummern unterbrochen war. Ein grellbuntes Vergnügen.



Under the Shadow
Ein Film über Menschen im Krieg und die Rolle der Frau im Iran. Verpackt im Gewand eines Geistergruslers. Intelligent und effektiv.



They Call Me Jeeg Robot
Zu diesem Film notierte ich (Achtung, enthält SPOILER): 

"Der erste Fresh-Blood-Beitrag war für mich ein echter Knaller. Anti-Superheldenfilm, Gangster- und Mafiafilm, schräge Lovestory, ein bisschen Sozialdrama, etwas Action, ein bisserl Trash. Jeeg Robot ist eine Wundertüte, ein wunderbarer Film, zwischen Realismus und Fantasie, mit großen Sympathien für Verlierer und Träumer. Der Film ist ein Antisuperheldenfilm, weil er zwar eine Superhelden hat, dieser aber ein gebrochener Charakter ist. Nichts mit schwarz / weiß hier; alle möglichen Grautöne und tiefstes Schwarz. Ganz toll die geistig etwas eingeschränkte weibliche Hauptfigur, eine junge Frau auf dem geistigen Stadium einer 10 Jährigen, deren kindischen Verhalten, sich aber mehr und mehr als nachvollziehbare Realitätsflucht entpuppt; ebenso toll der Oberfiesling, der im Laufe des Films sein Interesse an Geld und Macht verliert und stattdessen lieber medialen Ruhm und Anerkennung will. Auf amerikanisch hätte das alles recht nervig überdreht werden können, in Händen des italienischen Regisseurs ist es hingegen angenehm geerdet und eher einem magischen Realismus verpflichtet als quietschbuntem Popcornkino."



The Girl with All the Gifts
Glaubt dem Hype. Es ist wirklich der beste Zombiefilm seit Jahren.



Into the Forest
Solche Filme sind der eigentliche Grund, warum ich jedes Jahr wiederkomme. Filme, die in keine Schublade passen. Ist das jetzt Arthouse oder Grusel? Ist das jetzt eine Familiengeschichte, ein Psychodrama oder doch ein kleiner, dezenter Horrorfilm? Alles drei natürlich, deshalb ist er ja so interessant.




Wiedersehen machte Freude:


Über folgende Filme habe ich hier oder anderswo bestimmt schon mal geschwärmt. Das wunderbare Mannheimer Cinema Quadrat ermöglichte es mir sogar, drei der sechs Filme noch mal auf mittelgroßer Leinwand zu sehen. Und fünf von sechs stammen von vergangenen Fantasy Filmfestlichkeiten, was erklären könnte, warum ich auch in diesem Jahr den Großteil meines Taschengeldes wieder zu diesem in die Jahre gekommenen Wanderzirkus tragen werde.

The Babadook




It Follows



Coherence


Boyhood



Der Unbestechliche / La French




New World




Enttäuschungen:

The Revenant
Im Internet las ich, dass Leute die Szene mit dem Bären so toll fanden, dass sie sie sofort noch mal sehen wollten. Die wären im 17. Jahrhundert in London am Sonntagnachmittag auch nicht in Shakespeares Globe Theatre gegangen, sondern in die benachbarte Bear-baiting Arena. Ich will diese Szene bitte NIE wieder sehen. Und die mit dem Pferd auch nicht. Und diesen ganzen überlangen, aufgeplusterten Überwältigungsfilm ohnehin nicht. Ja ja, alles oscarreif. Aber letztlich auch total belanglos.

High-Rise
Mein Liebling Ben Wheatley schießt über‘s Ziel hinaus. Nach einer Dreiviertelstunde optischem Hochgenuss für den 70er-Jahre-Designfreund wurde mir Wheatleys dystopische Klassenkampfallegorie im zweiten Teil allzu unübersichtlich, hysterisch und planlos. Und dabei wollte ich den Film doch so mögen.

Whiplash
Kommt eigentlich ein Jahr zu spät, aber ich wollte an dieser Stelle noch mal kurz sagen, dass ich diesen Film total nervig fand. Jazzmusik nervt per se schon, aber der Film noch mehr. Denn er erzählt mir einmal mehr, dass ich mich eben durchbeißen muss und dann kann ich alles erreichen. Klar, hier tut es mehr weh und der Lehrer ist ein Arsch. Aber am Ende hatte er ja dann doch recht. Pfui deibel.

Knock Knock
Eli Roth versucht einen sexy Psychothriller. Sexy klappt noch einigermaßen, an der Psychologie scheitert der Mann für‘s Grobe leider kläglich.

Snowden
Typischer Oliver-Stone-Film. Hatte aber erwartet, dass mich das so flasht wie weiland 1991 JFK. Nur leider hatten wir 2016 und ich habe inzwischen ein paar Filme mehr gesehen. Schade.



Und übrigens: 

mit der Ausgabe 26/2016 habe ich mein Filmdienst-Abonnement beendet. Nach 24 Jahren (mit einem Jahr Unterbrechung). Im Jahr 2017 stellt diese wunderbare Zeitschrift nämlich ihre Printausgabe ein. Denn wir haben ja jetzt Internet. Und Filmkritik kann ja nun wirklich jeder. Kostprobe gefällig? 

"Passengers ist wie Titanik nur halt im All. Allein schon wo am Ende einer von denen doch Überleben und wieder einschlafen könnte, aber beide nicht eingeschalafen sind, war es sehr Liebevoll. Einerseits war es auch in der Mitte voll Traurig als Sie erfahren hatte das Er Sie aufgeweckt hatte.
Es lohnt sich aufjedenfall anzusehen."  
(http://www.moviepilot.de/users/alpay-topuz)

In diesem Sinne auf schönes neues Kinojahr!

Mittwoch, 4. Januar 2017

Das Konzertjahr 2016




10/10
23.1. Erdmöbel (Studio NTM, Mannheim)
4.3 Bernd Begemann (Das Bett, Frankfurt)
16.4. Motorama (Oettinger Villa, Darmstadt)
2.8. Doctor Krápula (Schlachthof, Wiesbaden)
17.9. Pelzig (Golden Leaves Festival, Arheilger Mühlchen)
1.10. Oum Shatt (Elektrik Pony Festival, Mannheim)

Der König tanzt. Bei 0:35 min.

9,5/10
27.1. Rainer von Vielen (Das Bett, Frankfurt)
11.3. Romano (Centralstation, Darmstadt)
6.10. The Beauty of Gemina (Nachtleben, Frankfurt)
23.11. Placebo (Festhalle, Frankfurt)

Placebo. Mein einziges Massenkonzert; zehnte Reihe, tendenziell rechts.


9/10
6.3. Get Well Soon (Halle 02, Heidelberg)
10.3. Múm play Menschen am Sonntag (Hafen2, Offenbach)
12.4. Kakkmaddafakka (Schlachthof, Wiesbaden)
17.4. Francis (Hafen 2, Offenbach)
18.9. Evening Hymns (Golden Leaves Festival, Arheilger Mühlchen)
23.9. Element of Crime (Amphitheater Hanau)
9.10. Sorry Gilberto (Hafen 2, Offenbach)
20.10. Warhaus (Brotfabrik, Frankfurt)
23.10. NTM Pop: (Get Well Soon Oper, Mannheim)
1.11. Messer (Schlachthof, Wiesbaden)
16.11. Oum Shatt (Das Bett, Frankfurt)

Schlachthof Wiesbaden, nach dem Messer-Konzert


8,5/10
22.9. Pink Turns Blue (Das Bett, Frankfurt)
28.10 Polica (Zoom, Frankfurt)

Eher so meine Wohlfühlkonzertgröße: ein Sonntagnachmittag im Hafen 2


8/10
25.1. Fraktus (Karlstorbahnhof, Heidelberg)
28.1. Clara Luzia (Das Bett, Frankfurt)
23.2. Villagers (Zoom, Frankfurt)
1.3. The Angelcy (Brotfabrik, Frankfurt)
17.4. Locas in Love (Hafen 2, Offenbach)
20.4. Teleman (Zoom, Frankfurt)
17.9. Me & My Drummer (Golden Leaves Festival, Arheilger Mühlchen)
18.9. Roosevelt (Golden Leaves Festival, Arheilger Mühlchen)
1.10. We Were Promised Jetpacks (Elektrik Pony Festival, Mannheim)
5.10. Isolation Berlin (Zoom, Frankfurt)
16.10. Haley Bonar (Hafen 2, Offenbach)
29.10. Kaiser Chiefs (Schlachthof, Wiesbaden)
31.10. Sophia (Zoom, Frankfurt)
1.11. Tellavision (Support von Messer, Schlachthof, Wiesbaden)